Unternehmensbesuch in Fröndenberg bei Holzverarbeitung Severin

Nachdem ich wieder herausgefunden hatte, warum es FröndenBERG heißt, durfte ich heute nach der Anreise mit Bahn und Fahrrad aus Schwerte (Tarifgrenzen nerven!) den Betrieb der Familie Severin besuchen. 

Gemeinsam mit Isabelle Schoppmann und Lukas Schütz von den Grünen aus Fröndenberg und Anna Hierweck aus Schwerte wurde ich sehr freundlich empfangen und habe erstmal eine Betriebsführung bekommen. Es gab allerlei interessante Einzelheiten über den Familienbetrieb und dessen Geschichte zu erzählen. Dass der Betrieb schon bald in der vierten Generation im Familienbesitz ist, fand ich toll, vor allem da ich um die Probleme in der Nachfolge weiß. Diese betreffen viele Handwerks- (und Industrie-)betriebe und ich werde mich in jedem Fall in diesem Bereich weiter einbringen. Es gibt einfach zu viele Unternehmen, um die es Schade wäre. Dabei geht es neben den Arbeitsplätzen auch um den sozialen Zusammenhalt, den ein solcher Betrieb im Ort schafft. Viele Unternehmen sind, genauso wie Holzverarbeitung Severin, lokal verwurzelt, gehören zum Ort dazu und wollen auch dort bleiben. Die Mitarbeiter*innen kommen aus der nahen Umgebung. Dass der Betrieb schon mehrere Wandlungen hinter sich gebracht hat, von Rädern für Fuhrwerke zu Tischlerei und Bestattungswesen und individuellen Verpackungslösungen für die Industrie unterstreicht den Unternehmergeist, der vielfach im Handwerk vorherrscht und Zukunftsfähigkeit ermöglicht.

Aber auch die Maschinen und Gebäude wussten zu beeindrucken und wurden uns ausführlich erklärt. Daraus wurde auch deutlich, warum eine Unternehmensgründung in diesem Bereich schwierig ist, da diese mit hohen Kosten für Ausrüstung und Immobilien verbunden ist. Hier muss die Politik – hier will ich – potenziellen Nachfolger*innen weiter unter die Arme greifen, um diese Unternehmen zu erhalten. Auch dafür stehen wir Grünen und für diesen Punkt habe ich mich besonders in unserem Wahlprogramm eingesetzt.

Für mich war natürlich auch schön zu sehen, dass eine große Solaranlage auf dem Dach installiert war, die den Betrieb, wenn auch nicht vollständig, mit selbst produziertem Strom versorgt und auch für die Heizung wurde eine nachhaltige Lösung gefunden, nämlich die Nutzung der entstandenen (unbehandelten) Holzabfälle. Durch eine Filteranlage gibt es zudem keine Feinstaubemissionen, das könnte auch ein Vorbild für den Heimbereich oder Nahwärme sein.

Nach der Betriebsführung konnten wir uns noch bei einer Tasse Kaffee den Problemen widmen, vor denen momentan viele Betriebe stehen. Der Fachkräftemangel ist dabei das Drängendste und muss dringend angegangen werden. Dabei geht es nicht nur um die bessere Ausbildung der jungen Menschen, Handwerk muss wieder wertgeschätzt werden. Etwas mit eigenen Händen zu schaffen und direkter Kundenkontakt verspricht hohe Zufriedenheit. Das gilt in allen Bereichen des Handwerks. Hier müssen wir auch die Lehrer*innen in den Schulen weiter sensibilisieren und auch Eltern zeigen, dass Handwerk eine echte Option für ihre Kinder ist.

Leider hat uns ein weiterer Aspekt auf die aktuelle europäische Situation gestoßen. Da einige Rohstoffe (MDF-Platten, Multiplex-Platten) momentan noch vielfach aus Russland kommen, spüren auch die lokalen Handwerker den Krieg und müssen sich auf weitere Lieferengpässe vorbereiten. Die Borkenkäferplage im Sauerland, maßgeblich vom Klimawandel begünstigt, sorgt ebenfalls für Rohstoffprobleme. Viel Holz wurde exportiert und steht dem heimischen Markt nicht zur Verfügung.

Vielen Dank an Hubert und Julian Severin für die interessanten Einblicke. Ich habe wieder viel mitgenommen und hatte einen tollen Vormittag.

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