Wahlkampf mit dem Selfie vor der Tankstelle

Es scheint bei bestimmten Gruppen grade „in“ zu sein, sich mit gewichtigem Gesichtsausdruck vor eine Tankstelle zu stellen und ein Selfie zu posten. Dabei gehört zu einer intensiven Auseinandersetzung mit den aktuellen Spritpreisen viel mehr.
Spritpreise entstehen auf einem Markt. Dieser ist nicht immer logisch, denn es gibt neben Anbieter und Nachfrager auch Spekulanten und Arbitrageure. Preise sind oft auch von Befürchtungen getrieben, das ist menschlich.
Insgesamt ist es aber amüsant, weil die „Selfie-Leute“ zumeist auch diejenigen sind, die bei allen anderen Gelegenheiten auf den Markt vertrauen und sagen, dass er schon alles regeln werde. Das gilt zumindest so lange, wie es um so etwas wie Mieten geht (Mietpreisbremse). Hier „regelt“ der Markt nur, dass zu wenig bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite profitiert aber die eigene Klientel von hohen Mieteinnahmen.
Wenn es jetzt aber darum geht, sich auf billigste Art und Weise an potenzielle Wähler ranzumachen, bei einem Thema, das seit langer Zeit an entscheidender Stelle verschlafen wurde, dann sind die „Selfie-Leute“ leider vorne dabei. Es geht schon lange um unsere Abhängigkeit von Öl und Gas, unsere Abhängigkeit von Lieferanten aus Ländern, die nichts mit Demokratie am Hut haben, die Abhängigkeit von Steuereinnahmen, Förderung von motorisiertem Individualverkehr, Förderung von Logistik auf der Straße und vieles mehr.
Mir ist wichtig: Leider sind viele Menschen auf das Auto angewiesen (beruflich wie privat), Alternativen wurden kaputtgespart oder gar nicht erst geschaffen. Für sie ist die aktuelle Entwicklung oftmals eine Katastrophe. Besonders leiden – wie immer – die Menschen mit geringen Einkommen, die sich meist grade so über Wasser halten können. Ihnen ist nicht mit einer Erhöhung der Pendlerpauschale geholfen, da sie zumeist sowieso kaum davon profitieren. Ihnen ist auch nicht mit Selfies vor der Tankstelle geholfen. Sie brauchen sofort Entlastungen. Das könnte bspw. ein Energiegeld sein. Vor allem brauchen sie aber eine Energiepolitik, die nicht einfach nur weiter machen will wie bisher.

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